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Die Entstehung der Osteopathie

Mit dem Streben nach Gesundheit widmete sich der Gründer der Osteopathie Andrew Taylor Still (1827 - 1917) sein Wirken und sein Leben. Nach dem Verlust enger Familienangehöriger, den Resultaten und Vorstellungen der damaligen Medizin, konzentrierte Still seine Überlegungen nicht auf die Krankheit, sondern auf die Bedingungen unter denen Genesung möglich ist.

Still, der von klein auf geistlich durch seinen Vater, einen methodistischen Priester und Arzt, geprägt wurde, zeigt schon in jungen Jahren eine Begeisterung für die Natur, das Göttliche und die Medizin. 

Zur damaligen Besiedlung Amerikas, zog die Familie Still durch den „Wilden Westen“ wodurch A. T. Still Kontakt zu den Ureinwohnern Amerikas bekam. Sie lehrten ihm ihre Betrachtungsweise im Umgang mit Natur, Körper und Geist und zeigten ihm die manuelle Medizin ihres Volkes. Dieses Wissen sollte Still noch lange von Nutzen sein. 

Als tiefreligiöser Mensch war Still der festen Überzeugung, dass Gott einen perfekten Menschen erschaffen hatte. Ausgehend von seinem bis dahin erworbenen anatomischen Wissen und mechanistischen Sichtweise nahm er an, dass alle Körperstrukturen korrekt funktionieren, wenn Bestandteile wie Blut-, Nerven-, und Lymphbahnen korrekt angeordnet sind und sich nicht behindern. Als Folge dessen sollte Krankheit weichen und sich der gesunde Zustand des Körpers einstellen. 

Laut Still sollte der Osteopath „nur“ dafür sorgen, dass das Vitalitätsprinzip in die Peripherie des Gewebes gelangen kann und somit die freie Zirkulation der vitalen Kräfte ermöglicht wird. Um dies zu gewährleisten, müssen sämtliche mechanische Hindernisse beseitigt werden. 

Nach Stills Vorstellungen beschränkte Osteopathie sich nicht nur auf Probleme des Bewegungsapparates. Er behandelte Patienten mit den verschiedensten gesundheitlichen Problemen. 

Seinen Erfolg verdankte er größtenteils seiner Philosophie, keine Medikamente, sondern lediglich seine Hände und einfache Hygienemaßnahmen zu verwenden. 

Viel Zeit ist seit dem „Wilden Westen“ vergangen und A. T. Stills Konzept der Osteopathie wurde von einigen wichtigen Osteopathen erweitert und mehr und mehr etabliert. 

Zu den bekanntesten Urvätern der Osteopathie zählen John Martin Littlejohn, der 1917 in England die erste europäische Schule für Osteopathie (British School of Osteopathie) gründete und sich für die wissenschaftliche Akzeptanz der Osteopathie einsetzte. William Garner Sutherland, der die Theorie der craniosacrale Osteopathie entwickelte. Eine Therapieform, wobei der Schädel über die Verbindung zum Kreuzbein und den dazwischen liegenden Strukturen in Form einer eigenständigen Bewegung Ausdruck erhält und durch diesen behandelt wird. 

In der Neuzeit zählen zu den jüngeren Osteopathen Jean Pierre Barral, wissenschaftlicher Vertreter für die osteopathische Behandlung von Organen und ihren Vernetzungen zu den Nerven und Zirkulationsbahnen und John E. Upledger, ein weiterer Wegweiser in der Craniosacralen Therapie aus Sicht der wissenschaftlichen Evidenz. 

Alle diese großen Osteopathen sind Pioniere auf ihrem Gebiet und sie alle gehen auf die Grundsätze von A. T. Stills ein:


  • Der Körper ist eine unteilbare Einheit
  • Struktur und Funktion stehen in wechselseitiger Abhängigkeit 
  • Selbstregulierung der körpereigenen Abwehr und Selbstheilung
  • Leben bedeutet Bewegung
  • Die Fluktuation der Körperflüssigkeiten für die Aufrechterhaltung der Gesundheit ist von essenzieller Bedeutung
  • Der Osteopath strebt danach Ursache und Wirkung voneinander zu unterscheiden